Inhalt
Begrüßung
Dem Kochsalz hat die Stunde geschlagen
Die versalzene Gesundheit
Selbsthilfegruppe zum Schlaganfall
Vermischtes
Termine
Sie halten das Informationsblatt für Patienten und Interessierte aus dem
Institut für Präventive Medizin an der Universität Erlangen-Nürnberg in
den Händen, das Sie mehrmals im Jahr über Themen und Trends aus dem
Bereich Gesundheitsvorsorge auf dem Laufenden hält..
Diese Ausgabe ist für Sie ganz speziell gewürzt, mit einer kleinen Prise
Salz, dem weissen Stoff, der eine spannende Geschichte hinter sich hat
und bis heute für heftige Diskussionen sorgt, nicht nur unter
Wissenschaftlern.
Wir gehen aber vor allem der Frage nach, wieviel Salz in unserer
täglichen Ernährung tatsächlich gesund ist und welche Folgen ein zu
hoher Salzkonsum haben kann.
Unser Institut, das IPM, erforscht schließlich das Thema »Vorsorge«,
genauer gesagt: Vorsorge von Herz-, Kreislauf-, Nieren- und
Stoffwechselerkrankungen und da kommt auch dem Salz ein nicht
unbedeutende Rolle zu.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre von IPM-Aktuell und freuen
uns auf Ihre Reaktion. Stellen Sie Ihre Fragen, wir antworten gern! Wenn
Sie mögen, nutzen Sie außerdem unser Angebot im Internet. Sie finden uns
natürlich unter www.ipm-aktuell.de.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
Prof. Dr. Roland E. Schmieder
Vorstand Institut für Präventive Medizin
Dem Kochsalz hat die Stunde geschlagen...
Über Salzstreuer, Einkauf und Grenzwerte
Interview mit dem Nürnberger IPM-Experten Prof. Dr. Roland Veelken. Der
Facharzt für Innere Medizin ist zudem ein ausgewiesener Nieren- und
Hochdruckspezialist.
Weniger Salz in die Nahrung ? Wie fängt man damit am besten an?
Veelken: Der erste Schritt ist eigentlich ganz einfach. Man nehme
einfach den Salzstreuer vom Tisch. Auch wenn er noch so silbern und
schön ist, ein Salzstreuer neben Messer und Gabel verführt einfach zum
Nachsalzen und gerade damit sollte man aufhören. Keine Sorge, das Essen
schmeckt damit nicht unbedingt schlechter. Zwei Wochen lang schmeckt
das Essen tatsächlich kochsalzarm, aber schon nach 14 Tagen hat man sich
daran gewöhnt, dann können eher normale Speisen versalzen schmecken.
Und wie geht es weiter?
Veelken: Der kluge Umgang mit Salz beginnt schon beim Einkauf. Wer sich
gesundheitsbewußt verhält, kauft möglichst viele frische Produkte, also
frisches Gemüse und Obst und möglichst wenig vor- und zubereitete
Speisen. Damit erfüllt man auch die Empfehlungen aus der internationalen
Diät-Studie namens DASH. Weniger in den Einkaufswagen gehören die
Klassiker der Tiefkühltruhe, also tiefgefrorene Pizzas und andere
Kühl- oder Konservierungskost. Darin steckt bekanntlich besonders viel
Salz. Weniger Tielfkühlkost eingekauft, heißt eben auch schon etwas für
die Gesundheit getan.
Wieviel Salz ist denn täglich noch erlaubt?
Veelken: Auch da gibt es ganz klare Empfehlungen, die für alle Menschen
gelten, ob sie nun unter hohem Blutdruck leiden oder nicht. Der tägliche
Salzkonsum sollte danach nicht mehr als 6 Gramm betragen, besser noch
darunter liegen. Wobei eine Verringerung auf bis zu 3 Gramm täglich
vermutlich nur bei entsprechender Kooperation mit der
Nahrungsmittelindustrie realistisch zu erreichen sind.
Die versalzene Gesundheit
Wissenschaft, Salzkrieg und Diäten
Eine schier unglaubliche Geschichte tischte kürzlich ein großes
französisches Wochenmagazin seinen Lesern auf. In einer mehrteiligen
Serie berichtete das Blatt über die undurchsichtigen Interessenkonflikte
von Wissenschaft und Nahrungsmittelindustrie. Der Aufhänger: Pierre
Meneton, ein junger Wissenschaftler vom Nationalen Institut für
Gesundheit und medizinische Forschung versucht seit Jahren, das
französische Volk über seinen Salzkonsum aufzuklären und gerät dabei
sogar auf die Abhörliste des französischen Geheimdienstes.
Ob es um die Gefährdung der Staatssicherheit geht oder nicht, in jedem
Fall geht es um sehr viel Geld und sehr viel Salz. Es geht um die
starken Umsätze der Nahrungsmittelindustrie und den starken Salzkonsum
der Franzosen. Letztlich aber geht es um die bestmögliche
Gesundheitsvorsorge und das nicht nur für das französische Volk.
Kein Wunder, dass die deutsche Tageszeitung »Die Welt« das Thema
aufgegriffen hat und die Debatte damit auch nach Deutschland trägt. Was
ist richtig an dem weit verbreiteten Vorwurf, der hohe Salzkonsum in der
Bevölkerung sei das Ergebnis einer rücksichtslosen Industrielobby? Und
aus der Sicht der Medizin gefragt: Welche Auswirkungen hat ein
geringerer Konsum von Salz tatsächlich auf die Gesundheit?
Wechselhafte Geschichte
Salz ist keine Erfindung unserer Tage, aber dennoch eine vergleichsweise
neue Zutat unserer täglichen Nahrung. Nicht mehr als 5000 Jahre ist es
her, dass der Mensch das Salz für sich entdeckte und vor allem eine
seiner Eigenschaft zu nutzen begann: die Konservierung von
Lebensmitteln.
Das lebensnotwendige Nahrungsmittel hat eine bewegte Geschichte hinter
sich, die sich spannend erzählt und eben solche Bücher füllt. Salz
stammt anders als alle anderen Nahrungsmittel weder von Pflanze noch
Tier, es hat vor langer Zeit die ersten Handelsströme ausgelöst und es
wird seit wenigen Jahrzehnten gerade von der Medizin mit wachsendem
Interesse wissenschaftlich untersucht. Versuche an Ratten haben nämlich
schon in den 70er Jahren gezeigt, dass ein hoher täglicher Konsum von
Kochsalz den Blutdruck erhöht und damit auch zum Herzinfarkt führen
kann.
Diese Beobachtung galt viele Jahre unumschränkt, bis Anfang der 90er
Jahre neue Erkenntnisse sie in Frage stellten. Ein weithin beachteter
wissenschaftlicher Aufsatz des US-Forschers Gary Taubes stellte die
bisher vorherrschende Lehrmeinung auf den Kopf. Seine These: Salz ist
weit weniger bedeutsam, als bislang angenommen. Laut Taubes führt eine
Verringerung des täglichen Salzkonsums nur bei sehr wenigen Menschen zu
einem niedrigeren Blutdruck und das auch nur sehr begrenzt.Taubes
Schlußfolgerung: Einen wirksamen Schutz vor hohem Blutdruck mit den
Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall bietet nicht eine Salzreduktion
sondern allenfalls das passende Medikament.
(Quelle: Science 1998;281:898-901)
Salzkonsum und Profit
Die Veröffentlichung von Taubes in einer der angesehensten
internationalen Zeitschriften stellte nicht zuletzt auch die Ansichten
des jungen französischen Salzexperten Pierre Meneton in Frage.
Pharma-Industrie und Nahrungsmittelhersteller werden es gern gehört
haben, denn seit Jahren sind sie mit dem Vorwurf konfrontiert, Salz aus
purer Gewinnsucht in großen Mengen in der Herstellung von
Fertignahrung zu verwenden. Der Hintergrund: Salz erhöht das Gewicht von
Fleisch, es ersetzt aufwendige Geschmacksabstimmungen und es fördert
vor allem den Durst - wovon viele der auch in der Getränkeherstellung
aktiven Nahrungsmittelkonzerne ebenfalls profitieren.
Dass viel Salz konsumiert wird, ist nicht die Frage. Beispiel Grande
Nation: Die Franzosen nehmen pro Jahr und Person über 4 Kilogramm Salz
zu sich, was mehr als doppelt so viel ist, wie es die
Weltgesundheitsorganisation seit vielen Jahren empfiehlt. Und die WHO
hat ihre Empfehlungen nicht ohne Grund formuliert. Wissenschaftlicher
Streit hin oder her - es gibt durchaus Hinweise für die gesundheitliche
Bedeutung einer Verringerung von Salz in der Nahrung.
Inzwischen liegen zu den gesundheitlichen Auswirkungen von hohen
Salzkonsum auf Herz und Kreislauf eine Reihe sorgfältiger
Untersuchungen vor.
Wissenschaft hat festgestellt
Die sogenannte INTERSALT-Studie mit über 10.000 Personen aus über 30
Ländern hat zeigen können, dass erhöhte Salzgehalte im ausgeschiedenen
Urin mit einem statistisch deutlich erhöhten Blutdruck einhergeht - eine
Bestätigung für den Zusammenhang von Salzkonsum und hohem Blutdruck.
(Quelle: BMJ 1988;297:319-328)
Lange wurde in der Wissenschaft nicht untersucht, ob Kochsalz nicht nur
eine Blutdrucksteigerung, sondern zusätzlich direkt eine Schädigung der
Herz-Kreislauf-Organe bewirkt, also etwa die Verdickung des Herzmuskels.
Inzwischen ist dank einer renommierten Studie auch dies geklärt.
Unabhängig von einem erhöhten Blutdruck gibt es einen Zusammenhang
zwischen dem Verzehr von Salz und einer gesundheitsschädlichen
Verdickung der Herzmuskulatur, die damit schlechter durchblutet wird.
Und die gute Nachricht: Umgekehrt gilt dies auch, d.h. bei einem
geringeren Salzkonsum kann die Muskeldicke wieder abnehmen.
(Quelle: Circulation 1988;78:951-956)
Viele Studien haben in den letzten Jahren den Zusammenhang von
Salzaufnahme, Herz und Blutdruck bestätigt, so auch die nach einer Diät
benannten internationalen DASH-Versuche. Die weltweit beachteten
Untersuchungen zeigen nicht nur, dass der größere Verzehr von Früchten,
Gemüse und Ballaststoffen (DASH-Diät) den Blutdruck senken kann, sie
zeigen vor allem dass eine Kombination dieser Diät mit einer geringerem
Salzkonsum den Effekt noch deutlich verstärken kann. Genauer gesagt:
Beide Maßnahmen zusammen sind sehr viel wirkungsvoller als eine allein.
(Quelle: New England Journal of Medicine 2001; 344-349)
Gesundheitsvorsorge heisst daher konkret: Den täglichen Salzkonsum
verringern und Herz und Kreislauf damit nachhaltig schonen. Was an
täglicher Menge tatsächlich noch gesund ist, erfahren Sie im aktuellen
Interview auf Seite 4.
Auf Herz und Nieren geprüft:
Selbsthilfegruppe zum Schlaganfall
In dieser Rubrik stellen wir in jeder Ausgabe eine Selbsthilfegruppe vor
ob zu Herz, Nieren, Hochdruck oder Schlaganfall. Ein Ideenbörse für
Anregungen und Informationen zur Gruppenarbeit. Diesmal geht es um eine
Selbsthilfegruppe »Schlaganfall« nicht nur für Betroffene...
Die Gruppe wendet sich bewußt nicht nur an Patienten, die einen
Schlaganfall erlitten haben, sondern auch und insbesondere an deren
Angehörige bzw. die Personen, die mit der Pflege dieser oftmals
schwerstbehinderten Menschen betraut sind. Die »Selbsthilfegruppe
Schlaganfall« hat sich 1995/1996 am St. Johannes Krankenhaus in
Troisdorf-Sieglar (Nähe Bonn/Köln) gegründet, da für viele im Alltag
immer wieder klar wurde, dass trotz aller offizielen Hilfen zu viele
Fragen für die Pflegenden offen bleiben.
Mit der der Selbsthilfegruppe wollten die Initiatoren diesem Mangel
entgegenwirken und der Erfolg gab ihnen recht. Schon bald stellte sich
heraus, dass bei vielen »Neuzugängen« die gleichen Fragen gestellt
werden: Welche Rehakliniken gibt es in der Nähe des Wohnortes? Welche
Hilfsmittel, Medikamente und Zuschüsse gibt es für den Patienten? Wie
kann man einer Depression vorbeugen? Wie gehe ich als Partner oder
Familienmitglied mit dem Patienten um?
Heute steht in der Arbeit der Gruppe neben der telefonischen
»Seelsorge«, die man bereits vielen Betroffenen vermitteln konnte, vor
allem der regelmäßige Treffpunkt der Gruppe im Vordergrund: jeweils am
vierten Montag eines Monats.
Besonders erwähnenswert sind auch die informativen Seiten im Internet
unter www.schlaganfall-selbsthilfe.de. Hier gibt es zu nahezu allen
Themen und Fragen eine passende Antwort oder den passenden
Ansprechpartner. Weitere Infos zur Gruppe gibt es St. Johannes
Krankenhaus in Troisdorf-Sieglar oder bei
Helga@HelgaOver.de
Vorsorge & Vermischtes ...
Unsere IPM-Experten kommentieren Studien
In zwei Minuten ist alles gesagt
Im Durchschnitt 22 Sekunden hört sich ein Arzt das Leiden des einzelnen
Patienten an - dann würgt er ihn ab, weil er glaubt, damit Zeit zu
sparen. Welch Irrtum! Ein Patient redet, wenn man ihn denn lässt, im
Durchschnitt ganze 92 Sekunden spontan über seine medizinischen
Probleme, so eine Studie aus dem British Medical Journal. Der
IPM-Kommentar:
»Laut der Studie hatten fast 80 Prozent der Patienten, Frauen wie
Männer, innerhalb von zwei Minuten ihr Anliegen vorgetragen und nur
ältere Patienten lagen geringfügig über der durchschnittlichen
Rededauer. Die meisten Patienten fassen sich also kurz..«
Prof. Dr. med. Roland E. Schmieder, Oberarzt der Medizinischen Klinik IV
der Universität Erlangen-Nürnberg
Mehr Lebensqualität für geschulte Patiente
Das Institut für Präventive Medizin bietet ein eigens entwickeltes
Schulungsprogramm für Patienten mit arterieller Hypertonie an. Dabei
lernen die Teilnehmer ihren erhöhten Blutdruck nicht nur durch die
richtige und regelmäßige Einnahme von Tabletten zu senken, sondern auch
die sogenannten nicht-medikamentösen Maßnahmen konsequent umzusetzen.
Die Ergebnisse wurden in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift
veröffentlicht.
»Wir konnten mit der ‘Hypertonieschulung IPM’ die sportlichen
Aktivitäten der Teilnehmer steigern, das Körpergewicht verringern, den
Wissensstand der Patienten erhöhen und insgesamt damit ihren Blutdruck
senken. Das verbessert auf jeden Fall die Lebensqualität. Kein Wunder
also, daß inzwischen auch manche Krankenkasse die Teilnahme an der
Schulung bezahlt«
Anja Deinzer, Ärztin und Projektleiterin am Institut für Präventive
Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg
Das Blut dünner machen
Mit dem Tag, an dem die letzte Zigarette im Aschenbecher verschwindet
nimmt der Gehalt an Kohlenmonoxid im Blut dramatisch ab. Innerhalb nur
einer Woche, so eine amerikanische Studie, ist das Blut bereits weniger
dickflüssig und das Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben, sinkt
rapide.
»Schon vier bis fünf Jahre später ist dieses Risiko kaum zu
unterscheiden von einem Menschen, der nie im Leben geraucht hat. Unser
Körper gibt uns oft eine zweite Chance.«
Privatdozent Dr. med. Helmut Walter,Oberarzt der Medizinischen Klinik IV
der Universität Erlangen-Nürnberg
Wichtige Termine für Ihren Kalender
Informationen zum Thema Diabetes
Unter www.diabetes-journal-online.de finden Sie als Patient oder
Angehöriger zwischen Bremen und Berchtesgaden viele Termine zu
Vorträgen, Tagungen und Gesprächskreisen. Genaue Angaben zu Themen,
Orten und Zeiten helfen Ihnen dabei, schnell die richtige Veranstaltung
in Ihrer Nähe zu finden, vielleicht zum Beispiel diese:
3. März 2003
Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bremen
Diabetes im Alltag·
»Ich habe Diabetes oder hat er micht?«
14. März 2003
Deutscher Diabetes Bund, Marbach
Dosisanpassung·
»Wie mache ich es richtig?«
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