IPM - Institut für Präventive Medizin IPM - Institut für Präventive Medizin IPM - Institut für Präventive Medizin

 

 

 

Broschüre: IPM - Aktuell

- Ausgabe 1/2001 -

Inhalt

Begrüßung
Die zweite Chance
Selbsthilfegruppen bundesweit
Vermischtes
Säftelehre und Arzneikunde ...
Termine

 


 

Begrüßung

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

hier lesen Sie ipm-aktuell, den Patienten-Ratgeber des Instituts für Präventive Medizin an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Wie der Institutsname schon sagt, steht bei uns das Thema "Vorsorge" im Mittelpunkt - und zwar von Herz-, Kreislauf- , Nieren- und Stoffwechselerkrankungen. In regelmäßigen Abständen informieren wir Sie daher über aktuelle Trends auf diesen Gebieten. Wir bringen auf den Punkt, was in der Forschung diskutiert wird und für die Praxis wichtig ist. Und vor allem erfahren Sie, was dran ist an den vielen Medizinmeldungen in Zeitung, Funk und Fernsehen. Statt Gerüchten gibt es Expertenkommentare - sozusagen mit "Garantie". Oder wie es bei einem bekannten Nachrichtenmagazin aus München heißt: Fakten, Fakten, Fakten - aktuell für Sie aufbereitet, verständlich und informativ.

Wir wünschen anregende Lektüre und freuen uns auf Ihre Reaktion. Stellen Sie Ihre Fragen, wir antworten gern!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr

Prof. Dr. Roland E. Schmieder
Vorstand Institut für Präventive Medizin

 

Die zweite Chance - Ist der Körper unverwüstlich?

Der Blick in die USA lohnt sich - vor allem in Fragen der medizinischen Forschung. Was dort heute diskutiert wird, ist oft ein halbes Jahr später auch bei uns publik. Im Februar 2001 brachte das renommierte amerikanische Nachrichtenmagazin TIME ein bemerkenswertes Thema: Unter dem Titel "Reparatur des Schadens" trugen mehrere Redakteure erstaunliche Fakten zusammen. Ihr Ergebnis stellen wir Ihnen im Folgenden vor.
"Achten Sie auf Ihr Gewicht. Vermeiden Sie Alkohol und Zigaretten. Treiben Sie Sport." Die Ratschläge sind bekannt und durch ständige Wiederholung werden sie kaum attraktiver. Mancher kann es nicht mehr hören. Mehr noch: Es drängt sich auch die eine oder andere Frage auf...
Lohnt es überhaupt, das Rauchen aufzuhören oder anzufangen regelmäßig Sport zu treiben? Was bringt es, gesünder zu essen? Und vor allem: Wann bringt es etwas?
Wie lange braucht es, um einen ungesunden Lebenstil wieder zu revidieren? Gelingt es überhaupt, das persönliche Gesundheitsrisiko wieder auf "null" zu bringen und die "Kontostände" quasi ausgleichen?
Die Nachfragen sind berechtigt. Niemand müht sich gerne ab, wenn die Aussichten gering sind. Der Einsatz soll sich lohnen - und schließlich geht es um einiges.

Lebenstil vs. Lebensjahre

Es stehen sich gewichtige Argumente gegenüber: Unser gewohnter und bequemer Lebenstil - mit den kleinen oder größeren Lastern - und der konkrete Gewinn an Lebensjahren. Den soll eine Änderung des Lebensstils angeblich zur Folge haben. Fragt sich eben nur: Erlebt man den Gewinn überhaupt noch, oder ist nicht eh schon alles viel zu spät? Genau diese Fragen können inzwischen aufgrund medizinischer Untersuchungen klar und deutlich beantwortet werden. Wie klar, überraschte selbst Fachleute.

Wundersamer Körper

In den vergangenen Jahren wurden in wissenschaftlichen Untersuchungen ein Vielzahl von Daten zusammengetragen, die eines belegen: Der Körper hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich zu regenerieren und selbst jahrelangen Mißbrauch wieder auszugleichen.
Zwar gebe es bestimmte Laster, etwa das Rauchen, das auch nach dem Aufhören das gesundheitliche Risiko über weitere Jahrzehnte negativ beeinflußt, aber bei vielen anderen Gewohnheiten, besonders denen, die Herz und Kreislauf schaden, ist die Risikoumkehr in kürzester Zeit möglich.
Dr. Jeffrey Koplan, Direktor vom amerikanischen Zentrum für Krankheitsforschung hat es kürzlich im US-Magazin TIME auf den Punkt gebracht: "Es wirkt nicht augenblicklich. Es braucht wie beim Bremsen einen gewissen Bremsweg."

Neueste Studien

Neueste Studien belegen jetzt, dass dieser Bremsweg bemerkenswert kurz sein kann. Wir haben einige dieser Studien auf den Punkt gebracht.

Beispiel 1 - Schlaganfall

Eine Studie, die Anfang 2001 in der angesehenen Zeitschrift der Amerikanischen Medizin Gesellschaft veröffentlicht wurde, kam zu folgendem Ergebnis: Frauen, die mehr als zweimal pro Woche Fisch essen, reduzieren ihr Risiko für einen Schlaganfall um die Hälfte.

(Quelle: JAMA 2001;285:304-312)

Beispiel 2 - Blutdruck

Messungen in Forschungslabors haben gezeigt, dass der größere Verzehr von Früchten, Gemüse und Balaststoffen (DASH-Diät) nicht nur die Empfindlichkeit des Blutes für das Zuckerhormon Insulin in kurzer Zeit verbessert, sondern vor allem auch innerhalb von Wochen entscheidend und nachhaltig den Blutdruck senkt. Das kommt auch einer sofortigen Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos gleich.

(Quelle: NEJM 2001; 344: 3-101)


Beispiel 3 - Herzinfarkt

Mit dem Tag, an dem die letzte Zigarette im Aschenbecher verschwindet, nimmt der Gehalt an Kohlenmonoxid im Blut dramatisch ab. Innerhalb nur einer Woche ist das Blut bereits weniger dickflüssig und das Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben, sinkt rapide. Schon vier bis fünf Jahre später ist dieses Risiko noch kaum zu unterscheiden von einem Menschen, der im Leben nie geraucht hat.
Man mag es gar nicht glauben: Frauen, die anfangen, vier Mal in der Woche für eine halbe Stunde zu laufen, haben ungefähr das selbe Risiko haben, einen Herzinfarkt zu bekommen, wie Frauen, die schon ihr ganzes Leben Sport treiben. Und eine Studie an über 5000 Frauen mit Typ-II-Diabetes hat jetzt gezeigt: Wer sich vier Stunden pro Woche aktiv bewegt, senkt das Risiko für einen Herzinfarkt in kurzer Zeit um 40 Prozent.
(Quelle: Ann Intern Med 2001; 134: 96-105)
Die Ergebnisse sind erstaunlicherweise immer die gleichen: Unser Körper gibt uns eine zweite Chance. Nur muß sich jeder selbst entscheiden. Das Minus auf dem Konto gleich heute ausgleichen - oder für die Zinsen und Risiken weiterzahlen...

 

Auf Herz und Nieren geprüft:

Selbsthilfegruppen bundesweit

In dieser Rubrik stellen wir in jeder Ausgabe eine Selbsthilfegruppe vor
- ob zu Herz, Nieren oder Hochdruck. Eine Ideenbörse für Anregungen und
Informationen zur Gruppenarbeit.
Heute: Die Interessengemeinschaft Bluthochdruck Erlangen ? unter dem
Motto...

Lampenfieber & Co

Dem Erlanger Theater hinter die Kulissen geschaut
Für den entscheidenden Moment gibt es kein Patentrezept. Das Licht geht
aus, der Vorhang auf und hunderte von Augen warten gespannt. Oben auf
der Bühne gibt es kein zurück mehr. Das Stück hat begonnen.
Man muß nicht Schauspieler sein, um die Anspannung nachzuempfinden. Für
jeden gibt es im Leben Situationen, in denen der »Vorhang« aufgeht ? wo
Aufregung und Konzentration eine ganz eigene Spannung erzeugen ? nicht
nur für den Kopf, sondern auch für Herz und Kreislauf. Der Mechanismus
dabei ist klar: Adrenalin schießt in die Blutbahn, die Gefäße verengen
sich, der Blutdruck steigt. Alles schon erlebt ? es gehört zum Leben
dazu. Nicht nur im Theater!
Aber genau dorthin führte der Weg der Selbsthilfegruppe Hypertonie aus
Erlangen. Es war eine Besichtigung der besonderen Art. Die
»Hochdrückler« hatten nicht nur die seltene Gelegenheit, dem Theater
einmal in die Kulissen zu schauen. Sie trafen auch eine Schauspielerin
des Ensembles und liessen sich von ihr erzählen, wie sich der
entscheidende Moment tatsächlich anfühlt. Wie entsteht der Stress im
Kopf und wie gelingt es, ihn positiv zu wenden und fruchtbar zu machen.
Es wurde ein gelungener Einstieg in ein aufschlußreiches Gespräch. Und
die harten Fakten zur Bewältigung von Anspannung und Stress in Arbeit
und Freizeit hatten darin auch noch Platz.

 

Vorsorge & Vermischtes ...

und die IPM-Experten

Herzinfarkt ist Frauensache

Frauen haben viel häufiger mit dem Herzen zu tun als bisher angenommen.
Inzwischen stirbt jede zweite Frau an den Folgen von
Herz-Kreislauferkrankungen. Auch der Herzinfarkt, der immer noch als
Managerkrankheit gilt, ist schon lange keine reine Männersache mehr.
»Zwar bekommen Frauen unter 50 seltener einen Herzinfarkt als Männer,
aber die Zahl jüngerer Frauen mit Herzbeschwerden nimmt zu. Das Problem:
Frauen nehmen bestimmte Beschwerden nicht ernst. Herzinfarkte werden
daher bei Frauen oft viel zu spät erkannt.«
Prof. Dr. med. Werner Daniel,
Direktor der Klinik für Kardiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg

Mit Soja gegen Cholesterin

Soja-Eiweiß ist sehr empfehlenswert für Menschen mit hohem
Cholesterinspiegel. Personen mit Cholesterinspiegeln von 240 können
unbeschadet täglich 25 bis 50 Gramm pflanzliches Eiweiß auf Sojabasis zu
sich nehmen.
»Diese Proteine können sogar helfen, den Cholesterinspiegel um 4 - 8
Prozent zu senken. Zum Hintergrund: Ein hoher Cholesterinspiegel gilt
als Ursache für die Verengungen der Herzgefäße mit der Folge
Herzinfarkt. Als normal wird ein Cholesterinspiegel von unter 200
angesehen.«
Privatdozent Dr. med. Roland Veelken
Oberarzt der Medizinischen Klinik IV der Universität Erlangen-Nürnberg

Männer nehmen leichter ab

Abnehmen fällt Männern mit Bauch leichter als übergewichtigen Frauen.
Das Bauchfett bei Männern ist wesentlich leichter loszuwerden als die
bei Frauen typische Fettansammlung im Hüft- und Oberschenkelbereich.
Aber...
»Der dicke Bauch ist gesundheitlich riskanter. Etwa 15 - 20% der
Deutschen leiden an Übergewicht. Ein guter Indikator, um das Übergewicht
zu kontrollieren, ist der Gürtelumfang. Frauen sollten darauf achten,
dass der Umfang 80 Zentimeter nicht überschreitet. Bei Männern wird es
ab 94 Zentimetern riskant. Wer seinen Gürtelumfang um 5 - 10 cm
verringert, kann sein Risiko für Herz und Kreislauf entscheidend
senken.«
Privatdozent Dr. med. Helmut Walter,
Oberarzt der Medizinischen Klinik IV der Universität Erlangen-Nürnberg

 

Säftelehre und Arzneikunde ...

Zur Wirkung der Grapefruit auf Tabletten

Pampelmusen stehen im Verdacht, die Wirkung mancher Medikamente zu
verstärken. Liebhaber von Grapefruitsaft haben beim IPM nachgefragt ?
Professor Schmieder antwortet Ihnen. Er ist Nieren-und
Hochdruckspezialist und auch Experte für Medikamente und Ernährung ...
Was ist dran am Pampelmusen- Gerücht?
Es ist kein Gerücht. Grapefruitsaft kann die Wirkung bestimmter
Medikamente verstärken. Dieser Zusammenhang ist zwar nur durch Zufall
bei einer Studie herausgekommen, dafür aber wissenschaftlich
zweifelsfrei belegt. Und wer diesen Saft gerne trinkt, sollte das
wissen.

Um welche Medikamente geht es?

Nachgewiesen wurde der Zusammenhang für die Calcium-Antagonisten, also
Medikamente gegen zu hohen Blutdruck. Der Effekt trat dann auf, wenn die
Tabletten zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen wurden. Einerseits
wird durch die gleichzeitige Einnahme der Abbau der Medikamente gehemmt,
was die Wirkung der Calzium-Antagonisten verstärkt: Dies hat eine
stärkere Wirkung auf den Blutdruck zur Folge und kann positiv sein, es
kann aber auch gefährlich werden, wenn der Blutdruck zu tief abfällt.
Andererseits verstärkt das gleichzeitige Trinken von Grapefruitsaft auch
die Aufnahme der Medikamente im Darm. Dieser Effekt ist individuell sehr
verschieden.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Bei Calcium-Antagonisten kann der Kopf mitunter ungewöhnlich rot werden.
Oder es gibt einen beschleunigten Herzschlag. Es kann auch zu einem
rapiden Abfall des Blutdruckes kommen, nicht zuletzt mit der Folge von
Kopfschmerzen und Schwindel. Die Konsequenz ist so einfach wie klar:
Wer diese Medikamente regelmäßig einnehmen muß, sollte dies nicht
ausgerechnet mit dem Saft der Grapefruit tun.

 

Wichtige Termine für Ihren Kalender

7. - 14. Oktober 2001
Nierenwoche
Auch in diesem Jahr finden wieder bundesweit viele Aktionen und
Veranstaltungen rund um das Thema Vorsorge, Diagnostik und Behandlung
von Nierenleiden statt.

2. - 9. November 2001
Deutsche Herzwoche
Dieses Jahr unter dem Motto: Herzinfarkt ein Wettlauf mit der Zeit.
Wieder eine Aktion der Deutschen Herzstiftung. Im Mittelpunkt stehen
dabei Risikofaktoren und Fragen des Lebensstils.

14. November 2001
Weltdiabetestag
Rund um den Globus machen Diabetiker auf ihre Situation aufmerksam. Ein
Tag für Sonntagsreden, aber auch für ernstgemeinte Vorsorgeaktionen.